Das Kunstmuseum Liechtenstein bildet den kulturellen Mittelpunkt der Metropole Vaduz. Die Staatliche Kunstsammlung des Fürstentums ist in einem modernen Ausstellungshaus untergebracht, welches im Jahre 2000 seine Pforten öffnete. Der schwarze Kubusbau bietet auf zwei Etagen weiträumige Ausstellungsflächen, welche durch eine Glasdecke optimal ausgeleuchtet werden. Die Sammlung wird in wechselnden Ausstellungen gezeigt und begleitet viel beachtete Wechselausstellungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Schwerpunkte der Sammlung des Kunstmuseums Liechtenstein liegen auf Skulpturen, Installationen oder dreidimensionalen Objekten. Das Kunstmuseum Liechtenstein möchte als ein Ort der Auseinandersetzung mit moderner Kunst verstanden werden. Dabei spannt die Sammlung auch einen Bogen hin zu den Alten Meistern und den vom Fürsten von Liechtenstein begründeten Wurzeln der Sammlung. Das Kunstmuseum Liechtenstein wächst täglich an seiner Doppelrolle als Nationalgalerie und Begegnungsstätte und Bildungseinrichtung.

Die Sammlung des Kunstmuseums Liechtenstein

Die Sammlung der Einrichtung konzentriert sich auf die internationale Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Regelmäßig werden auch Werke der Klassischen Moderne gezeigt. Das Kunstmuseum Liechtenstein verzichtet auf eine Dauerausstellung und arrangiert seine Sammlung regelmäßig neu. Dadurch soll den Besuchern die Möglichkeit gegeben werden, immer wieder in einen spannenden und interessanten Dialog mit der Kunst treten zu können.

Die Kunstsammlung umfasst die Zeitspanne vom 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Dabei werden die Installationen, Objekte und Skulpturen nach einer von der Einrichtung erarbeiteten Strategie gesammelt. Der Fokus liegt darauf, dass die Arbeiten individuell und eigenständig erscheinen und dem Betrachter den Zugang zu einem anregenden Dialog mit der Kunst ermöglichen. Dabei schränkt sich das Kunstmuseum Liechtenstein nicht hinsichtlich stilistischer oder geografischer Prämissen ein, sondern konzentriert sich auf thematische Linien, welcher für die zeitgenössische Kunst Priorität besitzen.

Arte Provera – Hommage an die Kunst

Das Kunstmuseum Liechtenstein kann auf eine beachtliche Sammlung von Arbeiten der Arte Provera zurückgreifen. Außerhalb Italiens handelt es sich um die umfangreichste Anzahl an diesbezüglichen Werken, die sich im Besitz einer Museumseinrichtung befinden. Den Begriff Arte Provera prägte der Kunstkritiker Germano Celant in den 1960er Jahren. Damals wurde in Genua eine Ausstellung mit Werken von sechs italienischen Künstlern gezeigt. Dazu zählten Jannis Kounellis, Alighiero Boetti, Pino Pascali, Emilio Prini, Luciano Fabro und Giulio Paolinin. Die Arbeiten sind als “arme Kunst” aus Materialien des täglichen Lebens entstanden. Holz, Erde, Glas oder Bindfäden bilden die Grundlage dieser räumlichen Installationen. Der Begriff Arte Provera hat sich seither für eine Kunstbewegung der 1960er und 1970er Jahre in Rom und dem Norden Italiens durchgesetzt.

Die Sammlung Ricke

Das Kunstmuseum Liechtenstein, das Kunstmuseum St. Gallen und das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt ziehen an einem Strang und dies kommt der Kunst an allen Standorten zu Gute. Im Jahre 2006 konnte von den genannten Einrichtungen im Zuge einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit die Sammlung Ricke erworben werden. Die hochkarätige Kunstsammlung wurde auf die drei Museen besitzrechtlich aufgeteilt. Alle Museen haben jedoch Zugriff auf den gesamten Bestand und somit blieb die Sammlung als Ganzes erhalten. Die Sammlung umfasst zum Großteil Kunst der 1960er Jahre. Schwerpunktmäßig sind US-amerikanische Künstler vertreten. Darunter befinden sich Richard Artschwager, Keith Sonnier oder Donald Judd.

Ein großes Vermächtnis – Der Nachlass André Thomkins

Der komplette Nachlass des Künstlers André Thomkins wird vom Kunstmuseum Liechtenstein verwaltet. Der bedeutende Zeichner und Aquarellist schuf mehr als 6.500 künstlerisch bedeutsame Werke. Daneben ist das Kunstmuseum Liechtenstein auch im Besitz von Fotografien, persönlichen Dokumenten und der Bibliothek des Malers. André Thomkins wurde 1930 in Luzern geboren. Zu zeichnen begann Thomkins bereits während seiner Schulzeit, welche von wiederholten Krankheiten auf Grund eines angeborenen Herzfehlers überschattet wurde. Nach Studien in Luzern und Paris lebte André Thomkins in Deutschland und lehrte in den 1970er Jahren als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Das künstlerische Schaffen André Thomkins wurde vom Dadaismus und vom Surrealismus beeinflusst. Wertschätzung genoss der vielseitige Künstler vorrangig als Zeichner. Was sein Vermächtnis heute ausmacht, sind nicht zuletzt seine experimentellen Arbeiten, die nicht ohne alltägliche Materialien auskommen. Kunst aus Gummi, Papier, Fundstücken oder Lebensmitteln prägte ebenso sein künstlerisches Schaffen wie Aquarelle, Feder- oder Bleistiftzeichnungen. Dabei immer wieder thematisiert wird die Schwebsel-Figur, welche im Zuge der künstlerischen Begegnung Thomkins mit dem Zeichner Peter Storrer entstand. Seine Liebe zu Buchstaben und Wörtern brachte André Thomkins in Form von Anagrammen und Palindromen zum Ausdruck. Die Begegnung mit der Kunst André Thomkins im Kunstmuseum Liechtenstein gleicht einer abenteuerlichen und humorvollen Begegnung mit einer spielerisch-fantastischen Kunst von außergewöhnlicher gedanklicher Tiefe.

Neue Impulse gewinnen – Hilti Art Foundation

Im Frühling 2015 erhielt das Kunstmuseum Liechtenstein Zuwachs. Die Erweiterung um ein neues Ausstellungsgebäude bietet mit der Hilti Art Foundation einer international viel beachteten Kunstsammlung Raum. Durch die neuen Ausstellungsräume kann die Kooperation zwischen dem Kunstmuseum Liechtenstein und der Hilti Art Foundation weiter vertieft werden. Die Familie Hilti begann bereits in den 1970er Jahren leidenschaftlich damit, sich eine Kunstsammlung anzulegen. Im Rahmen der Stiftung Hilti Art Foundation wurde die Sammlung in den 1990er Jahren dann zielgerichteter angelegt und verfolgt.

Die Hilti Art Foundation umfasst derzeit etwa 200 Arbeiten. Dabei sind Malereien und Plastiken der Klassischen Moderne ebenso vertreten wie sich die Sammlung auf Kunst nach 1945 bis in die Gegenwart konzentriert. Besondere Beachtung verdienen Werke von Max Beckmann, Christo Lovis Corinth, Emil Nolde oder Pablo Picasso. Der künstlerische Bogen spannt sich von Expressionismus und Kubismus bis hin zu Futurismus und Surrealismus.

Bewährtes bewahren, Neues zulassen – Das Ausstellungskonzept

Das Ausstellungsprogramm der Einrichtung fußt auf langfristiger Planung. Diese findet unter zwei Hauptgesichtspunkten statt. Das Kunstmuseum Liechtenstein möchte sich zum einen immer offen für neue Ideen und Impulse zeigen und zum anderen auch auf die Nachhaltigkeit bauen. Die Ausstellungen sollen den Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtungen rücken und seine Identität im Wandel der Zeit verdeutlichen. Die Präsentationen sollen auch immer wieder Überraschungen bieten. So möchte das Museum sich auf weniger beachtete Kunst konzentrieren und einzelne Künstler vorstellen, die man in der Gegenwart vielleicht etwas aus den Augen verloren hat. Immer wieder soll auch der Grundstock der Sammlung, die historischen Werke aus dem Fundus des Fürsten von Liechtenstein, gezeigt werden. Die Präsentationen sollen zu einem einheitlichen Ganzen verschmelzen und Epochen und Stile miteinander in Verbindung bringen. Die Besucher sind aufgefordert, sich auf einen Kunstgenuss fernab eingefahrener Muster einzulassen und sich nicht nur als Betrachter der Kunst, sondern als Akteure und Regisseure ihres Museumsbesuches zu begreifen. Ein offener und vorbehaltloser Dialog mit der Kunst wird angestrebt.

Die Geschichte des Kunstmuseums Liechtenstein

Den Anlass zur Gründung des Kunstmuseums Liechtenstein bot eine Schenkung Maurice Grafs von Benderns. Dieser vermachte dem Staat Liechtenstein im Jahre 1967 zehn bedeutende Gemälde Alter Meister. Darunter befanden sich Werke von Jan Steen, Meindert Hobbema und Anthonis van Dyck. 1968 fand die Museumsgründung statt. Der Liechtensteiner Künstler und Historiker Georg Malin übernahm die Museumsleitung und richtete die Sammlung bald gezielt auf moderne und zeitgenössische Kunst aus. Dabei standen ihm nur bescheidene finanzielle Mittel zur Verfügung, dennoch gelang es dem Kunstmuseum Liechtenstein zu dieser Zeit, eine beachtliche Studiensammlung zu Grafiken ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert aufzubauen.

In den 1980er Jahren flossen private Zuwendungen und die Sammlung konnte mit Skulpturen erweitert werden und damit wurde auch der Grundstein für den bis heute prägenden Teil des Kunstmuseums gelegt. Die historische Sammlung des Fürsten von Liechtenstein wurde im Vaduzer Engländerbau gezeigt. Verschiedene Skulpturen platzierte man im öffentlichen Raum der Stadt. Pläne, ein Kunstmuseum in Vaduz zu errichten, scheiterten in den 1980er Jahren. Mitte der 1990er Jahre begann eine Gruppe privater Stifter das Vorhaben erneut aufzugreifen. Mit Unterstützung der Gemeinde Vaduz und der Regierung des Fürstentums konnte der Museumsbau realisiert und im Jahre 2000 als Millenniumsgeschenk seiner Bestimmung übergeben werden. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf etwa 38 Millionen Franken.

Die Architektur des Hauses

Ein Kunstmuseum Liechtenstein inmitten von Vaduz zu errichten, geschah nicht grundlos, denn die zentrale Lage soll einmal mehr dazu animieren, einen lebendigen kulturellen Austausch möglich zu machen. Der eigenwillige Museumsbau entstand nach Plänen von Morger und Degelo aus Basel und dem Architektenbüro Kerez aus Zürich. Die Architekten gingen aus einer 1997 veröffentlichten internationalen Ausschreibung hervor. Zwischen 1998 und dem Jahre 2000 entstand der 60 Meter lange, klar strukturierte Museumskomplex. Prägend für die Optik des Museums ist die glänzende schwarze Fassade aus Beton. Verwendet wurden grüner und schwarzer Basalt und Untervazer Flusskies.

Die schlichte Einfachheit der Blackbox überzeugt und die verwendeten Materialien stellen den Bezug zum nahen Rheintal her. Im Inneren herrscht großzügige Überschaubarkeit. Um zwei gegenläufige Treppen gruppieren sich sechs Museumssäle. Klarheit und Präzision lassen im Inneren viel Raum für die Darstellung der Kunst. Insgesamt stehen 1’750 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Die Sammlung und diverse Wechselausstellungen werden in vier Oberlichtsälen und einem Seitenlicht- und einem Kunstlichtsaal gezeigt. Im Erdgeschoss sind zusätzlich ein Café, ein Museumsshop und eine Buchhandlung untergebracht. Verwaltungsräume, Depots und Vortragssäle fanden im Untergeschoss Platz.

Informationen über das Kunstmuseum Liechtenstein

Öffnungszeiten:

Montag: Geschlossen
Dienstag – Freitag: 10:00 – 17:00 Uhr
Donnerstag: Bis 20:00 Uhr geöffnet

Eintrittspreise:

Erwachsene: 15.00 CHF
Reduziert: 10.00 CHF

Adresse:

Kunstmuseum Liechtenstein
Stödtle 32
9490 Vaduz
Liechtenstein

Telefon: +423 235 03 00
E-Mail: mail@kunstmuseum.li
Webseite: www.kunstmuseum.li

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