Das Museum Frieder Burda im Herzen Baden-Badens besticht bereits durch seine Architektur. Der Bau des renommierten New Yorkers Richard Meier beherbergt eine der bedeutendsten Privatsammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst in Europa. Dabei werden neben thematisch aufbereiteten Präsentationen der Bestände regelmäßig Sonderausstellungen gezeigt. Diese beschäftigen sich meist mit aktuellen Strömungen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Neben Objekten der eigenen Sammlung umfassen sie hochkarätige Leihgaben anderer Museen oder Privatsammler. Einen ersten Hinweis auf die Qualität, die den Besucher erwartet, geben die beiden „Femmes“ von Joan Miró im Museumsgarten.

Konzept und Entstehungsgeschichte

Ein Museum ohne Ausstellungen, so schätzt es der Gründer Frieder Burda ein, sei „zum Tode verurteilt“. Nicht verwunderlich also, dass sein Haus keine dauerhafte Präsentation der Sammlung bietet, sondern mit spannenden Themenausstellungen lockt. Zentraler Bestandteil jedoch sind wechselnde Exponate aus den eigenen Beständen. Deren Zahl ist im Laufe jahrzehntelanger Sammlertätigkeit auf über 1.000 angewachsen.

Ab Mitte der 90er-Jahre nahm Burdas Idee, seine private Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, konkrete Formen an. Einerseits sprengte sie den Rahmen des häuslichen Platzangebots, andererseits sollte sie nicht nur ihm, sondern vielen Menschen Freude bereiten. Aus der Kunst sollte „etwas entstehen“, so Burdas Wunsch.

Erste Überlegungen, das Museum in Südfrankreich, in Mougins nahe Cannes, zu eröffnen – aus persönlicher Begeisterung für das Werk Picassos, der hier seinen letzten Wohnsitz unterhielt –, verwarf Burda.

Stattdessen öffnete das Museum Frieder Burda am 22. Oktober 2004 unter großer Anteilnahme des Fachpublikums und mit viel Medienresonanz seine Pforten in Baden-Baden. Mit drei bis vier großen Schauen im Jahr ist es rasch zu einer der ersten Adressen für moderne und zeitgenössische Kunst in der Region, aber auch international avanciert.

Finanziert wurde der Bau aus Geldern der 1998 gegründeten, gemeinnützigen Stiftung Frieder Burda sowie zu erheblichen Teilen aus dem Privatvermögen des Mäzens.

Museum Frieder Burda Innenansicht
Blick in das zeitgenössische Museum Frieder Burda in Baden-Baden. /// Foto: Museum Frieder Burda

Die Sammlung Frieder Burda

Die Liste der Künstler, deren Werke Frieder Burda zusammengetragen hat, liest sich wie ein „Who’s who“ der Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. Sein Interessenschwerpunkt liegt auf Gemälden, die Sammlung umfasst aber auch zahlreiche Skulpturen, Papierarbeiten, Fotografien und Objekte. Gliedern lässt sie sich in Werke des deutschen und des abstrakten, amerikanischen Expressionismus, in deutsche Kunst nach 1960 – hier sind allen voran die Künstler Gerhard Richter, Sigmar Polke und Georg Baselitz zu nennen – sowie in Kunst nach 1990, etwa mit Arbeiten von Neo Rauch oder Eberhard Havekost.

Einen Höhepunkt bildet der Werkkomplex später Arbeiten von Pablo Picasso. Sie entstanden in einer langen wenig beachteten Schaffensphase des Künstlers. Inzwischen hat auch die Forschung deren Relevanz erkannt. Eine ähnlich dichte Werkgruppe findet sich von Max Beckmann. Hier liegt der Fokus auf Bildern, die während seiner Aufenthalte in Baden-Baden in den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden.

Auch zeitgenössische Fotografen wie Andreas Gursky, Axel Hütte und Gregory Crewdson gehören zur Sammlung Frieder Burda. Lediglich Videokunst findet sich nicht, denn „Kunst mit Stecker“, so der Sammler, sei nicht sein Metier.

Der Mäzen Frieder Burda

 „Ich wollte immer schöne Kunst“ – so einfach und zugleich prägnant fasst Frieder Burda die oberste Prämisse seiner Sammlertätigkeit zusammen. „Schön“ steht für ihn im Gegensatz zum Sammeln aus reiner Effekthascherei, zur Provokation.

Entscheidend für Auf- und Ausbau der Sammlung ist der persönliche Kontakt Burdas zu vielen Künstlern, deren Werke er sammelt und ausstellt – allen voran Gerhard Richter. Oftmals entstehen aus diesen Beziehungen auch Arbeiten, die ihm gewidmet sind oder ihn selbst zeigen, wie von Sigmar Polke.

Weiterhin kauft Burda junge, noch unbekanntere Künstler wie Johannes Hüppi und steht neuen Tendenzen innerhalb der Kunst aufgeschlossen gegenüber: So zeigte das Museum Frieder Burda den Fotografen und Streetart-Künstler JR in einer großen Einzelausstellung (2014).

Frieder Burda ist ein Spross der bekannten Verlegerfamilie. Schon in der Kindheit kam er mit Kunst in Kontakt – sein Vater sammelte leidenschaftlich. Von Weggefährten wird er als zurückhaltend und bescheiden geschildert; selbst ist es ihm lieber, im Hintergrund zu agieren. Nach seinem Tod, so hat er verfügt, soll seine Sammlung dem Land Baden-Württemberg zufallen. Bei allem Mäzenatentum denkt Burda doch stets unternehmerisch. Gegen Spekulation und überhöhte Preise, wie sie in der Kunstwelt oft vorkommen, verwahrt er sich.

Architektur und Kunst in Symbiose

Der Museumsbau von Richard Meier fügt sich ebenso zurückhaltend wie prägend in das Stadtbild entlang der Lichtentaler Allee ein. Durch die lichtdurchflutete Architektur, vorwiegend in Weiß gehalten und mit viel Glas, lässt er der Kunst ausreichend Raum.

Der Besucher betritt das Gebäude von einem Fußweg durch die umgebende Parkanlage. Im Inneren gelangt er entweder per Aufzug oder über eine Rampenanlage auf die vier Ausstelungsebenen.

Herzstück ist die Halle im Erdgeschoss, die sich bis in die Höhe des Mezzanins erhebt, sodass von oben überraschende und ungewohnte Blicke auf die Exponate möglich sind. Über diesem Zwischengeschoss befindet sich eine weitere Ausstellungsetage. Im Untergeschoss, ebenfalls über die Rampen zu erreichen, werden begleitend Kabinettausstellungen zu wechselnden Themen wie zur Architektur des Hauses oder zur Geschichte der Sammlung gezeigt. Hier befindet sich außerdem der gut sortierte Museumsshop.

Museum Frieder Burda - Baden-Baden - Ausstellungen
In dem von Richard Meier entworfenen Museum Frieder Burda ist vorwiegend Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert in hochkarätigen Wechselausstellungen zu sehen. /// Foto: Museum Frieder Burda

Wichtige Ausstellungen im Museum Frieder Burda

Bereits im Jahr nach seiner Eröffnung, im Herbst 2005, begründete das Museum Frieder Burda seinen internationalen Ruf als eines der führenden Ausstellungshäuser mit einer umfassenden Schau zum „späten Picasso“. Es folgten zahlreiche Retrospektiven namhafter Künstler wie Marc Chagall (2006), Sigmar Polke (2007), Georg Baselitz (2010), Emil Nolde (2013) oder Andreas Gursky (2015).

Dazwischen präsentierte sich die Sammlung in neuen Zusammenhängen, wie in der losen Ausstellungsreihe „Bilderwechsel“ oder in „Lebenslinien – Stationen einer Sammlung“ (2011). Diese Schau anlässlich des 75. Geburtstags von Frieder Burda zeigte dessen persönliche Auswahl aus seinem reichen Fundus. Darunter war auch sein erstes selbst erworbenes Werk: Lucio Fontanas „Concetto Spaziale“ von 1967. Burda hatte es 1968 auf der 4. documenta in Kassel gesehen, war sofort begeistert und erwarb das Bild. Damit schuf er einen inhaltlichen Kontrapunkt zur Sammlung seines Vaters Franz Burda, der sich auf die Künstler des Expressionismus spezialisiert hatte.

Auch andere wichtige Sammlungen waren bereits zu Gast im Museum Frieder Burda: 2008 gab es Werke aus der Altana-Kunstsammlung zu sehen. Im Jahr darauf gastierte das Kunsthistorische Museum Wien mit Werken aus dem Bestand der Habsburger in den modernen Räumen.

Kooperation zweier Ausstellungshäuser

Einen besonderen Mehrwert stellt die direkte Nähe zur Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden dar: So lässt sich ein Besuch beider renommierter Häuser verbinden – und dies auf kurzem Weg. Auf Höhe des Zwischengeschosses führt eine rundum verglaste Brücke vom Museum Frieder Burda zu dem benachbarten, neoklassizistischen Bau.

Der Zugang lässt sich nach Bedarf öffnen und schließen, sodass bei Museen eigenständig bleiben, sich aber ergänzen. Besucher können Kombi-Tickets zum reduzierten Preis erwerben.

Informationen über das Museum Frieder Burda

Öffnungszeiten:

Montag: Geschlossen
Dienstag – Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr

Eintrittspreise:

Erwachsene: 13.00 Euro
Ermässigt: 11.00 Euro
Schülerinnen ab 9 Jahren: 5.00 Euro
Kinder unter 8 Jahren haben freien Eintritt in das Museum Frieder Burda.

Familienticket: 27.00 Euro

Adresse:

Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b
76530 Baden-Baden

Webseite: www.museum-frieder-burda.de


Die Aussagen Frieder Burdas sind zitiert nach der SWR-Sendung „Frieder Burda – Ein Leben für die Kunst“, ausgestrahlt anlässlich seines 80. Geburtstags 2016. Das Titelbild zeigt den Blick ins Grüne aus dem Eingangsbereich des Museums Frieder Burda in Baden-Baden. /// Foto: Museum Frieder Burda

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