Das Museum zu Allerheiligen ist inmitten der Schaffhauser Altstadt im ehemaligen Benediktinerkloster Allerheiligen untergebracht. Die Kloster-Ambiente ist erhalten geblieben, und der Klostergarten und der Kreuzgang sind tagsüber frei zugänglich. Das Museum zu Allerheiligen hat mehrere bedeutende Sammlungen und gilt als das bedeutendste Museum der gesamten Region. Es vereint Klostergeschichte, Kunstgeschichte, Archäologie und Naturkunde und hat zu den verschiedenen Themenbereichen insgesamt 280.000 Objekte. Sie bilden den Grundstock für eine abwechslungsreiche Dauerausstellung. Außerdem wird das Angebot regelmäßig mit verschiedenen Sonderausstellungen erweitert. Das Museum gehört mit 6000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zu den größten der Schweiz.

Die Exponate und Ausstellungsräume sind jeweils chronologisch geordnet. Dem Besucher eröffnet sich deshalb ein eindringendes Bild über Kunst, Kultur und Naturwissenschaften von der Steinzeit bis heute. Dabei spielen die Geschichte des Klosters und die Geschichte Schaffhausens durchgehend eine bedeutende Rolle. So ist selbst die einstige Loggia, die früher die Wohnung des Abts mit dem Gästetrakt verband, Teil des Ausstellungsbereichs. Besucher finden im Museum zu Allerheiligen sowohl Ausgrabungen aus der Steinzeit, aber auch Zeugnisse der Industrialisierung Schaffhausens. Die naturkundliche Ausstellung bietet Steine und Fossilien. Die Kunstsammlung ist mit ihren Werken von der Renaissance bis in die Moderne ebenfalls weit gefächert und unter Kunstfreunden weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt.

Die Ausstellungsmethodik ist zeitgemäß, und das Wissen wird auch mit modernen Multimedia-Projekten vermittelt. Das Museum zu Allerheiligen ist trotz seines reichen Kunstschatzes ein Museum, das die Besucher animiert, mitzumachen und eigenhändig Zeit und Zeitzeugnisse zu erforschen. Das Museum bietet außerdem ein Café, das besonders im Sommer – wenn die Stühle im Freien im idyllischen „Pfalzhof“ stehen – zur Erholung und Entspannung einlädt. Der so genannte Pfalzhof ist der Innenhof des ehemaligen Klosters, der auch für Veranstaltungen und Events gemietet werden kann.

Ein weiteres Highlight im Freien ist der Kräutergarten, der 1938 im ehemaligen Klostergarten angelegt wurde. Für die Benediktiner-Mönche war der Garten eine Quelle für Heilkräuter, die in der damaligen Medizin unerlässlich waren. Heute können hier die typischen Klosterpflanzen der damaligen Zeit bewundert werden. Der heutige Kräutergarten gilt als Ort der Ruhe und als kleine Oase mitten im Museums-Getümmel. Die Kräuter und verschiedenen Gemüsesorten werden nicht mehr geerntet.

Die ständige Ausstellung: Von der Steinzeit bis heute – Natur, Archäologie, Kunst und Kultur

Die Ausstellungsräume sind chronologisch geordnet, aber auch nach Themenbereichen aufgeteilt. Die Eingangsräume widmen sich der Archäologie und den frühen Hochkulturen dieser Erde. Im Mittelpunkt steht jedoch die frühe Siedlungsgeschichte der Region Schaffhausen.

So lebten die Höhlenmenschen

Mittelpunkt der Sammlung ist das Kesslerloch-Diorama, an dem der Besucher einen intensiven und nachdrücklichen Eindruck vom Leben unserer Vorfahren in der Steinzeit erhält. Das berühmte Kesslerloch ist eine Höhle bei Schaffhausen, die von Rentierjägern ca. 15.000 v. Chr. bewohnt worden war. Die Höhle wurde 1873 entdeckt, und bei Grabungen wurden Knochen von 53 verschiedenen Tierarten gefunden. Archäologen fanden außerdem Werkzeug, Höhlenzeichnungen und Schmuck. Am vielleicht beeindruckendsten ist jedoch der Schädel eines Haushundes, der in der Höhle vor ca. 14.100 Jahren gelebt haben muss. Er gilt als ältester Haushund der Welt und ist ein wichtiges Zeugnis dafür, dass sich Mensch und Wolf damals anfreundeten. Das Museum kann deshalb stolz den „ersten Haushund der Weltgeschichte“ präsentieren. Weitere Exponate zeigen Arbeiten aus der Bronzezeit, der Pfahlbauten-Epoche und der Zeit der Römer.

Hochkulturen und lokale Kulturgeschichte

Seit 2013 beherbergt das Museum zu Allerheiligen die Archäologische Sammlung Ebnöther. Der 2008 verstorbene Sammler Marcel Ebnöther hat aus der ganzen Welt Exponate aus den frühen Hochkulturen zusammengetragen. 550 Exponate geben Einblicke in frühe Hochkulturen Südamerikas, Irans, Syriens und noch vielen weiteren Regionen. Besonders beeindruckend sind Keilschrifttafeln aus Mesopotamien und der Silberfund aus dem Grab eines jung verstorbenen urartäischen Prinzen.

In weiteren Räumen widmet sich das Museum dann wieder ganz der lokalen Kulturgeschichte. Hier erfährt der Besucher alles über die Entwicklung von Schaffhausen und der Region vom Jahr 1000 bis heute. Die Sammlung ist mit ihren 25.000 Objekten sehr umfangreich. Die liebevolle Anordnung verhilft dem Besucher zu einem guten Überblick über die Geschichte der Stadt. Hier gibt es Textilkunst, Kleidung, Glas, Möbel und allerlei andere Gegenstände aus dem Alltag. Es gibt aber auch kunstvolle Globen und vor allem die größte Spielkartensammlung der Schweiz. Dazu kommen Glasgemälde und kunsthandwerkliche Objekte bedeutender Künstler. Unter ihnen sind Hans Jacob II. Läublin (1664-1730), Georg Michael Moser (1706-1783) und Johann Heinrich Hurter (1734-1799) Obwohl Schaffhausen und die Region in der Kulturhistorischen Sammlung der natürliche Mittelpunkt sind, bieten Seitenräume Einblicke in die Kulturgeschichte Afrikas, Asiens und Südamerikas.

Die Ausstellungsräume bieten drei Rundgänge. Ein Rundgang führt den Besucher in die Zeitspanne 1000 bis 1500. Ein weiterer Rundgang zeigt Zeugnisse aus der Zeit bis 1800. Der letzte Rundgang ist der Neuzeit gewidmet und enthält Ausstellungsstücke aus den Jahren 1800 bis 2000. In diesem letzten Bereich kann man sich über die Industrialisierung, das Leben in der Stadt und über den Zweiten Weltkrieg und seine Auswirkungen auf die Region genau informieren. Ein Teil der Ausstellung gehört jedoch auch dem neuzeitlichen Konsum. Wer die empfohlenen Rundgänge in ihrer chronologischen Reihenfolge durchführt, bekommt die Chance, die Entwicklungsgeschichte der Menschheit bis in die Neuzeit genau zu erfahren und zu verstehen.

Von Fossilien, Steinen und Tieren

Besonders stolz ist das Museum zu Allerheiligen Schaffhausen auf seine naturgeschichtliche Sammlung, die sich auf regionale Besonderheiten konzentriert. Der naturhistorische Bereich des Museums zeigt geologische Sammlungen von Geologen, die in der Region lebten oder hier geboren waren. So nimmt die Sammlung Gasser einen großen Bereich ein. Das gleiche gilt für die Bereiche Botanik und Zoologie. Auch hier werden die privaten Sammlungen ortsansässiger Wissenschaftler und Sammler gezeigt. Zu ihnen gehören der 1954 verstorbene Botaniker Georg Kummer und der 1922 verstorbene Schmetterlingskenner Herman Pfaehler. Wer wissen möchte, welche besonderen Schmetterlinge, Käfer, Spinnen, Pflanzen, Steine und Fossilien im Raum Schaffhausen bisher entdeckt wurden, wird in den naturgeschichtlichen Räumen fündig.

Die Sammlung Stemmler nimmt hier einen ganz eigenen Bereich ein. Carl Stemmler (1882-1971) war Kürschner, Präparator und Naturschützer und sammelte u.a. in den heimischen Wäldern und Bergen Funde in den Nestern von Bartgeiern und Steinadlern ein, um die damals sehr gefürchteten Vögel der Bevölkerung näher zu bringen. In Schaukästen wird gezeigt, was der Naturschützer in Adlerhorsten fand. Außerdem sind einige der von ihm präparierten Tiere ebenfalls in Schaukästen in ihrer natürlichen Umgebung zu bewundern. Vor allem Kinder haben große Freude daran, die heimische Tierwelt so aus nächster Nähe genau betrachten zu können. Da die Sammlung im vergangenen Jahrhundert entstand, steht sie außerdem zu keinem Widerspruch zu zeitgemäßem Tierschutz.

Kunst im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen

Der umfangreichen Kunstsammlung widmet das Museum zu Allerheiligen eine eigenständige Abteilung, die auch getrennt vom übrigen Museum besucht und studiert werden kann. Die Sammlung besteht aus 2500 Gemälden und 400 Skulpturen. Es sind sowohl Schweizer als auch internationale Künstler vertreten. Dazu kommt noch eine 25.000 Werke umfassende grafische Sammlung. Die Kunstsammlung gehört weitgehend der Stadt Schaffhausen. Dazu kommen Dauerleihgaben von Stiftungen, Vereine und Privatpersonen.

Das Museum zu Allerheiligen zeigt in seinen modernen und hellen Räumen Werke vom frühen 16. Jahrhundert bis heute. Die Anfänge sind mit bedeutenden Arbeiten von Lucas Cranach d. Ä., Tobias Stimmer und anderen Künstlern vertreten. Ein Highlight ist das Conrad-Pelikan-Portrait von Hans Asper aus dem Jahr 1550. Gezeigte Künstler des 18. Jahrhundert sind unter anderem Johann Heinrich Füssli und Johann Jakob Schalach. Außerdem ist der Landschafts- und Situationsmalerei des 18. Jahrhunderts ein großer Bereich gewidmet. Hier steht u. a. ein amüsantes Gemälde von Januraius Zick im Mittelpunkt: Rousseau bei der Lösung einer Preisaufgabe aus dem Jahr 1757.

Blick in die Kunstausstellung des Museums zu Allerheiligen,
Blick in die Kunstausstellung des Museums zu Allerheiligen, links ist ein Gemälde von Ferdinand Hodler zu sehen. /// Foto: Museum zu Allerheiligen

Ein wichtiger Höhepunkt der gesamten Kunstsammlung ist der Bereich Moderne mit Werken des Schweizer Künstler Cuno Amiet. Aber auch Arbeiten von Adolf Dietrich, Niklaus Stoecklin und vielen mehr sind hier zu bewundern. Dank der Sturzenegger-Stiftung konnte diese Sammlung in den letzten Jahren immer wieder erweitert und vergrößert werden. Gerade die Werke von Schaffhauser Künstlern nehmen auch hier eine zentrale Rolle ein. Diese Stiftung wurde 1987 Ehepaar Sturzenegger-Jeanfavre gegründet. Beide Eheleute fühlten ihr Leben lang mit Schaffhausen eine besondere Verbindung.

Der Ausstellungsbereich widmet sich außerdem der Gegenwartskunst. Dank der Stadt Schaffhausen und mithilfe von mehreren Stiftungen kann das Museum zu Allerheiligen immer wieder Arbeiten wichtiger neuzeitlicher Künstler aufkaufen und in die Sammlung integrieren. So findet der Besucher in den Räumen auch Werke von Yves Netzhammer.

Die Geschichte des Museums zu Allerheiligen

Das ehemalige Benediktinerkloster ist 1049 gegründet worden, als der Papst an den Rhein reiste und das Grundstück segnete. Das Kloster hatte im Laufe seiner Geschichte verschiedene Namenspatronen. Es wurde immer wieder erweitert und erneuert. Seine endgültige Form erhielt es im 16. Jahrhundert. Aber bereits 1529 wurde das Kloster während der Reformation wieder aufgelöst. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde das Kloster Eigentum der Stadt Schaffhausen. Die berühmte Klosterbibliothek wurde Stadtbibliothek. Teile des Klostergartens wurden zu Friedhofsanlagen für wohlhabende Bürger umfunktioniert.

Foto: Museum zu Allerheiligen
Foto: Museum zu Allerheiligen

Nach dem Ersten Weltkrieg entschloss sich die Stadt dazu, auf dem ehemaligen Klostergelände ein umfassendes Museum zu errichten, das alle Sammlungen der Stadt und der ansässigen Privatleute beinhalten sollte. Die Stadtväter nahmen sich dafür das Züricher Landesmuseum als Vorbild. Deshalb wählte man anfangs Gustav Gull zum Architekten, denn er hatte bereits das Museum in Zürich erbaut. Die Schaffhausener waren jedoch mit seinen Vorschlägen nicht einverstanden und gaben den Bauauftrag schließlich dem Architekten Martin Risch, der einen „sachlichen Schale für einen kostbaren Kern“ planen wollte und mit dieser Idee begeisterte.

Es bestand von Anfang an der Anspruch, dass das Museum nicht nur ein Heimatmuseum, sondern auch ein Natur- und Kunstmuseum sein soll. Außerdem sollte das vom Verfall bedrohte ehemalige Klostergemäuer bewahrt werden. Das Museum wurde 1921 gegründet und bis 1938 ausgebaut.

Leider wurde es am 1. April 1944 bei einem Bombenangriff durch US-Bomber zerstört. Es wurde in den 50er und 60er Jahren restauriert und neu aufgebaut. Das Gebäude blieb anschließend lange unverändert, wurde aber in den Jahren 2005-2011 gründlich saniert um den modernen Museumsansprüchen gerecht zu werden. So vereint das Haus heute Museumstradition und moderne Ausstellungsmethodik unter einem Dach.

Da das Museum eine bedeutende Sammlung von Spielkarten besitzt, finden sich im Museums Shop neben den üblichen Büchern und Kunstdrucken auch zahlreiche Nachdrucke historischer Spielkarten angeboten.

Das Museum ist barrierefrei und wurde mit Treppenliften und Hebeplattformen auch für schwer zugängliche Bereiche rollstuhlfähig gemacht. Außerdem können zu bestimmten Themen private Führungen gebucht werden.

Informationen zum Museum zu Allerheiligen Schaffhausen

Öffnungszeiten:
Montag: Geschlossen
Dienstag-Sonntag: 10:00-17:00 Uhr

Eintrittspreis Sonderausstellung & Sammlung
Erwachsene: CHF 15.00
Studenten, Personen in Ausbildung, AHV & IV-Bezüger: CHF 10.00
Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren: CHF 5.00

Eintrittspreis Sammlung des Museums zu Allerheiligen
Erwachsene: CHF 12.00
Studenten, Personen in Ausbildung, AHV & IV-Bezüger: CHF 9.00
Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre: kostenlos

Adresse:
Museum zu Allerheiligen
Kosterstrasse 16
8200 Schaffhausen
Telefon: +41 (0)52 633 07 77
E-Mail: admin.allerheiligen@stsh.ch
Webseite: www.allerheiligen.ch 

Titelbild: Das Titelbild zeigt den Kreuzgang des Museums zu Allerheiligen, dessen Gebäude ursprünglich als Kloster erbaut wurde. /// Foto: Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen

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