Museum Oskar Reinhart

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Das nach seinem Stifter benannte Museum Oskar Reinhart in Winterthur wurde noch zu dessen Lebzeiten 1951 als eines der ersten Privatmuseen Europas und erstes Sammlermuseum der Schweiz in Winterthur eröffnet. Das Gebäude im Stil der Neorenaissance, eine 1838 bis 1842 erbaute ehemalige Knabenschule, war 1948 bis 1951 umgebaut worden, um die Sammlung der Stiftung Oskar Reinhart zu beherbergen.

Bereits 1907, noch während seiner Berufsausbildung, hatte der Unternehmer Oskar Reinhart begonnen, Druckgraphik alter und neuer Meister zu sammeln, und in den folgenden Jahrzehnten war er in der glücklichen Lage, enorme Summen in den Erwerb einer bedeutenden Kunstsammlung investieren zu können.

Diese umfasst heute rund 500 Gemälde und Skulpturen Schweizer, deutscher und österreichischer Künstler vom 18. bis 20. Jahrhundert sowie etwa 7000 druckgraphische Werke und Handzeichnungen vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. In Umfang wie in Qualität seiner Sammlung gilt das Museum Oskar Reinhart im Bereich der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts nicht nur als weltweit führende Institution außerhalb Deutschlands, die Sammlung Oskar Reinhart zählt zu den schönsten auf ihrem Gebiet.

Von den bedeutenden Schweizer Malern der Sammlung sind Jean-Étienne Liotard, Johann Heinrich Füssli, Anton Graff, Arnold Böcklin und Albert Anker zu nennen, ferner Ferdinand Hodler, Giovanni Segantini und Giovanni Giacometti, der Vater des berühmten Bildhauers Albert Giacometti.

Einen weiteren Sammlungsschwerpunkt bildet die deutsche Romantik mit den Hauptvertretern Caspar David Friedrich, Georg Friedrich Kersting, Philipp Otto Runge, Carl Blechen und Carl Spitzweg, außerdem finden sich mit Ferdinand Georg Waldmüller, Adolph von Menzel, Wilhelm Leibl, Anselm Feuerbach, Hans von Marées Vertreter von Biedermeier, Realismus und Idealismus sowie mit den Malern Fritz von Uhde, Max Liebermann und Max Slevogt Maler des Impressionismus mit deutscher Prägung.

Seit dem Ausbau der dritten Etage des Gebäudes im Jahr 1995 wird die ständige Sammlung durch mehrere Wechselausstellungen im Jahr ergänzt, die sich ähnlichen Themen, Epochen oder Künstlern widmen. So wurden beispielsweise 2007 die Meisterradierungen Francisco de Goyas gezeigt oder 2014 eine Übersicht über Winterthurer Malerei durch die Jahrhunderte.

Die Sammlung des Museums Oskar Reinhart

Beim Aufbau seiner Sammlung orientierte sich Oskar Reinhart an der epochemachenden „Jahrhundertausstellung deutscher Kunst“, die 1906 in Berlin gezeigt worden war, und den Kriterien, die die Organisatoren der Ausstellung Hugo von Tschudi und Woldemar von Seidlitz, unterstützt durch Julius Meier-Graefe, bei der Auswahl der Werke angelegt hatten.

Statt des Akademismus und Historismus der offiziellen Malerei stellte Ausstellung das Poetische, Naturnahe und Realistische der Malerei von 1775 bis 1875 in den Mittelpunkt. Dadurch wurden heute berühmte Maler des 19. Jahrhunderts – etwa Carl Blechen, Georg Friedrich Kersting und Caspar David Friedrich – erstmals wieder dem Vergessen entrissen. Auch wurde erstmals die internationalen Verflechtungen der Kunst von Hans Thoma, Wilhelm Leibl und Hans von Marées sichtbar. Im Laufe der Jahre gelang es Oskar Reinhart, über 20 in der Jahrhundertausstellung gezeigten Werke für seine Sammlung zu erwerben.

Die Schweizer Malerei im Museum Oskar Reinhart

Die Schweizer Malerei lässt sich vier Bereichen zuordnen. Zum einen enthält die Sammlung Oskar Reinhart ein bedeutendes Ensemble an Kunst aus der Romandie, der französischsprachigen Schweiz. Dazu zählen hochwertige Arbeiten von Künstlern wie Jean-Etienne Liotard, Léopold Robert, Alexandre Calame, Barthélemy Menn, Alexandre Blanchet und Maurice Barraud und viele weitere.

Neuland erschloss sich Oskar Reinhart, als er Caspar Wolf als einer der ersten als der bedeutendste Schweizer Landschaftsmaler des 18. Jahrhunderts erkannte und dessen Werke für seine Sammlung erwarb.

Das 19. Jahrhundert ist mit bedeutenden Werkgruppen von Arnold Böcklin, Albert Anker, Rudolf Koller, Robert Zünd und dem realistischen Frühwerk von Ferdinand Hodler vertreten.

Freundschaftliche Verbindungen veranlassten Oskar Reinhart, Arbeiten seiner Zeitgenossen Henry Bischoff, Hermann Hubacher und Hans Schoellhorn zu erwerben. Damit positionierte Reinhart sich auch als Mäzen zeitgenössischen Kunstschaffens. Künstler aus dem Kanton Tessin sucht man hingegen in seiner Sammlung vergeblich.

Die deutsche Malerei im Museum Oskar Reinhart

Oskar Reinhart trug die bedeutendste Sammlung deutscher Malerei der Romantik außerhalb Deutschlands zusammen. In seinem Museum befindet sich eines der berühmtesten Werke der Romantik, Caspar David Friedrichs „Kreidefelsen auf Rügen“ von 1818. Von Georg Friedrich Kersting ist Lesender Mann beim Lampenlicht von 1814 zu sehen, weitere bedeutende Werke stammen von dem Frühromantiker Philipp Otto Runge, dem in Dresden tätigen Norweger Johan Christian Clausen Dahl, dem Landschaftsmaler Carl Blechen, dem Tiroler Maler der Biedermeierzeit Joseph Anton Koch und vielen weiteren bedeutenden Künstlern.

Die nachfolgende Epoche von Realismus und Biedermeier ist mit Adolph von Menzel, Carl Spitzweg (u.a. Die nächtliche Heimkehr um 1875/80), Porträts von Wilhelm Leibl (u.a. Bildnis Alwine Belli, 1872, Julius A. Langbehn, 1877) und Hans Thoma (Die Mutter des Künstlers im Stübchen, 1871) ebenfalls mit Hauptwerken vertreten.

Der Bogen vom Naturalismus zum Impressionismus deutscher Prägung wird mit den Gemälden von Max Liebermann gespannt und den impressionistischen Gemälden Max Slevogts voller Licht- und Farbreize aufgenommen.

Österreichische Malerei

Die österreichische Malerei ist weniger umfassend, jedoch mit einzelnen hochwertigen Werkgruppen vertreten. Im Mittelpunkt steht der Hauptvertreter des österreichischen Biedermeiers Ferdinand Georg Waldmüller, der mit mehreren detailreichen Porträts und Landschaften vertreten ist, zum Beispiel mit dem Bild Blick auf Arco von 1841. Weitere Schwerpunkte sind der Spätromantiker Moritz von Schwind mit seinen Themen aus Märchen und Sagen sowie Städteansichten Rudolfs von Alt und Carl Schuch. Er ist der modernste unter diesen Malern und der bedeutendste österreichische Maler des Realismus, dessen Werk, bestehend aus Stillleben, Landschaften und Porträts, bereits auf die Moderne vorausweist.

Die graphische Sammlung des Museums Oskar Reinhart

Rund 7000 Blätter, etwa 5000 druckgraphische Werke vom 15. bis Anfang des 20. Jahrhunderts und rund 2000 Zeichnungen und Aquarelle, umfasst die graphische Sammlung des Museums Oskar Reinhart. Es sind wichtige Künstler aus ganz Europa vertreten, angefangen von Albrecht Dürer, Rembrandt van Rijn und Claude Lorrain über Francisco de Goya und Nikolaus Chodowiecki bis hin zu den Franzosen Honoré Daumier, Edouard Manet, Camille Corot, Henri de Toulouse-Lautrec und Paul Gauguin, ferner Pablo Picasso, Edvard Munch, James Ensor, Karl Hofer, Henri Bischoff und die Briten Thomas Rowlandson und Muirhead Bone.

Viele der in den Gemäldesammlungen vertretenen Schweizer, deutschen, und österreichischen Künstler sind auch in der graphischen Sammlung vertreten.

Museum Oskar Reinhart: Bewahrung und Forschung

Erforschung der Sammlungspräsentation

Bis Anfang der 1990er-Jahre wurden die Sammlungsbestände so präsentiert, wie Oskar Reinhart sie angeordnet hatte. Immer wieder hatte er seine Werke neu organisiert und nach formalen, subjektiven Kriterien präsentiert. Auch nach seinem Tod sollte die Sammlungspräsentation unverändert bleiben, wie er in der Stiftungsurkunde festhielt.

Doch von 1993 bis 1995 wurde das Museum renoviert, das Dachgeschoss wurde als zusätzlicher Ausstellungsbereich erschlossen. Die Ausstellungsräume wurden farblich umgestaltet und die Präsentation erfolgte nach kunsthistorischen Aspekten.

Selbst wenn man zur ursprünglichen Hängung von Oskar Reinhart zurückkehren wollte, wäre dies kaum möglich, da diese nicht dokumentiert wurde. Auch nicht zu Dokumentationszwecken gemachte Fotografien aus den vorigen Jahrzehnten sind kaum vorhanden. Eine Forschungsarbeit an der Universität Genf bemüht sich, die verschiedenen Sammlungspräsentationen im Museum Oskar Reinhart zu rekonstruieren.

Provenienz Forschung

Die Stiftung Oskar Reinhart betreibt Provenienzforschung, um ein vollständiges Bild von der Entstehungsgeschichte der eigenen Sammlung zu bekommen. Möglichst jede einzelne Erwerbung soll umfassend beleuchtet werden.

Zwar hat Oskar Reinhart während des Zweiten Weltkriegs bewusst keine Kunstwerke im Ausland erworben, doch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 hat er bis 1939 durchaus Werke in Deutschland gekauft, deren Herkunft die Provenienzforschung besondere Aufmerksamkeit widmet.

Zahlreiche Werke erwarb er durch den mit ihm befreundeten Kunsthändler Dr. Fritz Nathan, dem Oskar Reinhart 1936 zur Flucht in die Schweiz verhalf. Zusammen mit diesem bemühte Oskar Reinhart sich 1941 auch, wie man weiß vergeblich, Max Liebermanns Witwe die Emigration in die Schweiz zu ermöglichen.

Oskar Reinhart war stets darauf bedacht, korrekte Käufe zu tätigen und angemessene Marktpreise zu bezahlen, nicht zuletzt, um die Qualität seiner Sammlung nicht durch moralisch zweifelhaft erworbene Werke zu beeinträchtigen. Die Provenienz Forschung der umfangreichen Sammlungsbestände dauert bis heute an.

Bilder für die Forschung

In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft hat das Museum Oskar Reinhart 20 Werke Schweizer Maler des 19. Jahrhunderts in hoher Auflösung digitalisiert, um diese der kunsthistorischen Forschung zur Verfügung stellen zu können, ohne dass die Werke Licht oder Berührung ausgesetzt werden müssen. Sie können einfach am Bildschirm bis auf größte Nähe herangezoomt und auf ihre Beschaffenheit untersucht werden. Unter den digitalisierten Werken befinden sich Gemälde von Arnold Böcklin, Ferdinand Hodler und Johann Heinrich Füssli.


Informationen über das Museum Oskar Reinhart

Öffnungszeiten:

Montag: Geschlossen
Dienstag – Sonntag: 10:00 – 17:00 Uhr

Eintrittspreise:

Während Sonderausstellungen:
Erwachsene: 15.00 Franken
Reduziert: 12.00 Franken

Nur Sammlung:
Erwachsene: 12.00 Franken
Reduziert: 10.00 Franken

Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre: Kostenlos

Adresse:

Museum Oskar Reinhart
Stadthausstrasse 6
8400 Winterthur

Telefon: +41 (0)52 267 51 72
E-Mail: gmuseum.oskarreinhart@win.ch
Webseite: www.museumoskarreinhart.ch

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